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Neue Rollen, dem Namen nach. Gedanken zum Kommunikationskongress 2019

Letzte Woche war ich zum ersten Mal auf dem Kommunikationskongress in Berlin. Direkter Anlass war, neben der Tatsache, dass ich immer mal dorthin wollte, ein Panel zum IBM Livestudio am zweiten Tag. Dazu werde ich noch einen ausführlicheren Beitrag veröffentlichen. Ich möchte hier zunächst einige Gedanken zu zwei Themen teilen, die in Berlin viel diskutiert wurden.

Kommunikationskongress 2019

Rolle der PR und der Kommunikatorinnen und Kommunikatoren

Die große Neuigkeit des Kongresses – jedenfalls aus Sicht der Veranstalter – war die Umbenennung des Bundesverbands der Pressesprecher, BdP, in den Bundesverband der Kommunikatoren, BdKom. Der Umbenennung sind anscheinend in den letzten zwei Jahren viele Diskussionen vorangegangen, was nur bedeuten kann, dass also auch Mitglieder gegen diese Umbenennung waren.

Geschenkt, dass man das Ganze mit der Namensänderung auch direkt gender-gerecht hätte gestalten können. Immerhin zeigt es, dass nun auch die höchste Verbandsebene ein zeitgemäßeres Rollenverständnis entwickelt zu haben scheint. Ich persönlich fühlte mich von der alten Bezeichnung nie angesprochen (und sollte es vermutlich als Agenturmitarbeiter auch nicht.) Wenn Namensänderung nun eine Öffnung des Verbands in Richtung mehr Diversität und anderer Themen signalisiert, dann ist das natürlich total begrüßenswert.

Denn die Rolle der Kommunikatorinnen und Kommunikatoren ändert sich natürlich und das schon vor Jahren begonnen – aus verschiedenen Gründen:

  • Die Presse ist heute lange nicht mehr so dominierend in Sachen externer Kommunikation wie noch vor einigen Jahren. Mittlerweile gibt es viele andere Wege, mit unterschiedlichen Bezugsgruppen zu kommunizieren. Der Begriff des Pressesprechers ist daher heute etwas anachronistisch.
  • Nur in wenigen Fällen sind die Pressesprecherinnen oder Pressesprecher ja wirklich auch das öffentliche Gesicht eines Unternehmens. Noch agiert die Unternehmenskommunikation ja sehr oft im Hintergrund. Auch das sollte sich ändern. Die Unternehmenskommunikation sollte sich viel öfter öffentlich zeigen und nun wirklich als ein Gesicht des Unternehmens zu erkennen sein.
  • Schließlich stellt sich noch die Frage, welche Rolle Kommunikatorinnen und Kommunikatoren einnehmen angesichts des Trends hin zu Corporate Influencern, Unternehmensbotschafterinnen und -botschaftern oder wie auch immer diese genannt werden. Auch das ist ein Trend, der auf dem Kommunikationskongress Aufmerksamkeit bekam und viel diskutiert wurde, etwa beim Panel von Philip Schindera, Leiter der Unternehmenskommunikation bei der Deutschen Telekom.

Die klassische Kontrollfunktion der Kommunikationsabteilungen ist dabei natürlich völlig kontraproduktiv. Statt Controller braucht es Enabler, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei unterstützen, für das Unternehmen zu sprechen. Ich hoffe, dass sich hier noch mehr Kommunikatorinnen und Kommunikatoren den bislang noch wenigen guten Beispielen anschließen.

Der Newsroom und das Aufbrechen von Silos

Es gab in den zwei Tagen vier Sessions zum Thema Newsroom und auch in anderen Panels, inkl. unserem zum IBM Livestudio, ging es immer wieder um eines der Dauerbrenner in Sachen moderne Kommunikation: das Aufbrechen von Silos in Unternehmen, die, im besten Fall, nebeneinander her arbeiten, ohne sich allzu sehr füreinander zu interessieren, oder, im schlimmsten Fall, gegeneinander agieren. Klassischerweise werden hier oft Marketing und Kommunikation als Antagonisten genannt. Aber je nach Größe und Struktur des Unternehmens kommen hier noch andere Disziplinen in Frage: Social Media vs. Marke vs. Kreation vs. Vertriebskommunikation vs. Customer Service etc.

Die Einführung eines Newsrooms wird hier oft als das Allheilmittel für das Aufbrechen der Silos angesehen. Dass es nicht ganz so einfach ist und mehr dazu gehört als nur einen neuen Raum zu schaffen oder den Kolleginnen und Kollegen eine neue Arbeitsweise vorzuschreiben, davon berichtet Christian Buggisch von Datev in seinem Blog immer wieder, der vor ein paar Jahren selbst eine Newsroom-Struktur bei Datev eingeführt hat.

Auf dem Kommunikationskongress kam mir bei manchen Vorträgen der Verdacht, einige Unternehmen führen einen Newsroom nur ein, weil „man das eben so macht heutzutage“ bzw. weil sie mehr Kreativität vor allem in ihre digitale und Social Media-Kommunikation bringen wollen. Leider wird dann aber oft nur das Team umbenannt, an den Strukturen ändert sich ansonsten nicht viel. Vor allem reicht der neue „Newsroom“ oftmals nicht über das Silo Unternehmenskommunikation hinaus, andere Abteilungen werden gar nicht eingebunden. Da bricht dann natürlich nichts auf.

Ich sehe es in meiner täglichen Arbeit, dass sich vor allem Marketing und Kommunikation häufig gegenseitig im Weg stehen. Hier wäre eine engere Zusammenarbeit mehr als nötig, sowohl bei der Planung als auch in der Umsetzung. Dieser Wandel muss allerdings vor allem in den Köpfen der Verantwortlichen beginnen.

Stefan Pfeiffer von IBM, mit dem wir gemeinsam das Livestudio der IBM umgesetzt haben, schreibt hierzu in seinem Blog:

“Mir wurde in dem Austausch noch einmal viel klarer, wie sehr sich die klassischen Rollen des PR- oder Kommunikationsmanagers auf der einen und des Marketingmanagers auf der anderen Seite auflösen, wie sie verschwimmen und konvergieren. Die Berufsbilder und Aufgabengebiete werden neu definiert, müssen neu definiert werden. Kommunikationskompetenz in und über soziale Kanäle, Dialogfähigkeit bei fundierter inhaltlicher Kompetenz werden vom Marketingmanager wie auch von den Mitarbeitern der Unternehmenskommunikation viel stärker gefordert werden.”

Aus PdP wird PdKom, aus Kommunikationsabteilung der Newsroom – klar, das sind zwei völlig verschiedene Themen. Aber vielleicht haben sie im Kern doch eine Gemeinsamkeit, die etwas mit den Fundamenten unserer Arbeit zu tun hat: Kommunikation und Realität in Einklang zu bringen – um was zu erreichen? Glaubwürdigkeit.

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In Einigkeit und Freiheit gegen alten und neuen Rassismus

Ich habe begonnen, “Wolfszeit: Deutschland und die Deutschen 1945 – 1955” von Harald Jähner zu lesen. Darin geht es gerade um die nicht vorhandene Willkommenskultur der Westdeutschen, als sie nach dem Zweiten Weltkrieg von den Alliierten gezwungen wurden, Millionen innerdeutsche Migranten aufzunehmen, die aus den ehemals deutschen Ostgebieten fliehen mussten. Die von den Nazis hochgelobte Volksgemeinschaft war da hierzulande verständlicherweise nicht mehr so recht in Mode, der Rassismus und die Fremdenfeindlichkeit der Deutschen allerdings war immer noch hochaktuell, siehe diesen kleinen Ausschnitt aus dem Buch:

Wolfszeit: Deutschland und die Deutschen 1945 - 1955

Der Rassismus damals richtete sich interessanterweise dann nicht mehr (nur) gegen Juden und Ausländer, sondern gegen die anderen Deutschen aus dem Osten, die als “Zigeuner” und “Polacken” beschimpft wurden.

Und heute sagen dann die neuen Nazis wie etwa Jörg Urban, der Vorsitzende der afd in Sachsen, sowas hier: „Ein Volk kann nur die eigene Einigkeit und Freiheit bewahren, wenn es weitgehend homogen bleibt“.  Diese Rassisten dürfen einfach keine Macht in diesem Land bekommen. Deutschland kann nur Einigkeit und Freiheit bewahren, wenn dem Rassismus, dem Fremdenhass und Parteien wie der afd kein Fußbreit nachgegeben wird.

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Neulich* bei Edeka…

Helene Fischer bei Edeka_2

Eine Mitarbeiterin stand vor dem Tchibo-Stand und hielt ein Oberteil aus der Kollektion von Helene Fischer vor sich, während sie in den Spiegel guckte. Sie betrachtete sich mit leicht skeptischem Blick von oben bis unten und murmelte vor sich hin:

“Das trägt die Helene Fischer doch niemals selbst”.

Schon alleine die Tatsache, dass die Verkäuferin offensichtlich in Betracht zog, dass Helene Fischer diese Kleidung wirklich selbst trägt, fand ich ganz bezaubernd.

 

(*Ich gebe zu, die zeitliche Einschätzung “neulich” sollte man hier recht großzügig verstehen.)

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Der lange Weg bis Weihnachten

 

Als ich gestern einigermaßen stolz die Bilanz meiner sportlichen Betätigungen im November twitterte, wollte ich das zwar gerne im Dezember weiterführen, mir war es jedoch auch klar, dass es nicht gerade einfacher werden würde, je näher wir dem Winter kommen.

Heute früh dann erhielt ich eine Antwort von Christian, der sich nicht groß mit Glückwünschen aufhielt, sondern lieber gleich mal mit dem Zaunpfahl und dazugehörigem Link auf sein Blog winkte.

Und so lasse ich mich gleich auf die nächste Herausforderung ein und versuche, es ihm gleich zu tun und mich jeden Tag im Dezember bis zum Heiligabend sportlich zu betätigen. Im Gegensatz zu ihm, der sich eng an die offiziellen Vorgaben hält, mindestens eine Meile pro Tag zu laufen, modifiziere ich es ein wenig…sozusagen die Memmen-Version: Ich werde versuchen, jeden Tag bis zum 24. Dezember entweder mindestens zwei Kilometer zu laufen oder mindestens 15 Kilometer auf dem Fahrrad zu fahren. Und mit Fahrrad meine ich den Heimtrainer. Zum einen muss sich die Investition ja lohnen und zum anderen ist es mit kleinen Kindern zu Hause manchmal nötig, erst spät am Abend loszulegen.

Um es allerdings nicht zu warmduschig werden zu lassen, nehme ich mir vor, mindestens die Häfte der 24 Tage draußen zu laufen.

Also los geht’s:

 

01. Dezember: 3,39 Kilometer gelaufen in 21:12 Minuten.

 

02. Dezember: 3,46 Kilometer gelaufen in 22:11 Minuten. Wenig überraschende Selbsterkenntnis: Wenn ich Sprints einbaue, dann sinkt die durchschnittliche Geschwindigkeit insgesamt…

 

03. Dezember: 15,25 Kilometer gefahren in 30:00 Minuten.

04. Dezember: 4,37 Kilometer gelaufen in 27:26 Minuten. Bei dem Wetter musste ich einfach raus.

05. Dezember: 22 Kilometer gefahren in 41:56 Minuten. Bundesliga auf WDR2 gehört und ruckzuck waren 40 Minuten rum.

06. Dezember: 20,28 Kilometer gefahren in 40:00 Minuten.

07. Dezember: 2,5 Kilometer gelaufen in 16:10 Minuten. Jede Bewegung ist eine gute Bewegung.

08. Dezember: 2,2 Kilometer gelaufen in 15:10 Minuten. Froh, dass ich die letzten beiden Tage überhaupt etwas geschafft habe.

09. Dezember: 15,49 Kilometer gefahren in 30:00 Minuten.

10. Dezember: 16,10 Kilometer gefahren in 31:00 Minuten inkl. Krankheitsviren um mich rum.

 

11. Dezember: 6,05 Kilometer gelaufen in 40:34 Minuten. Nass war’s. Und hügelig.

 

12. Dezember: 5,20 Kilometer gelaufen in 35:34 Sekunden. Dunkel war’s, der Mond schien auch nicht.

13. Dezember: 16,06 Kilometer gefahren in 30:00 Minuten.

 

14. Dezember: 3,82 Kilometer gelaufen in 25:03 Minuten. Gut hat das getan nach einem ganzen Tag voller Arbeit.

15. Dezember: 18,66 Kilometer gefahren in 35:00 Minuten. Nach so einem Sieg im Pokal läuft’s ganz flüssig.

16. Dezember: 2,23 Kilometer gelaufen in 12:58 Minuten. Kurz und gut.

17. Dezember: 2,48 Kilometer gelaufen in 15:07 Minuten. Jetzt, da ich schon zu fast jeder Tages- und Nachtzeit und bei fast jedem Wetter laufe, gibt es bald gar keine Entschuldigungen mehr. Wann fängt es denn endlich an zu schneien?

18. Dezember: 16,71 Kilometer gefahren in 30:00 Minuten.

19. Dezember: 17,00 Kilometer gefahren in 30:59 Minuten. Morgen wird dann aber mal wieder gelaufen.

 

20. Dezember: 5,85 Kilometer gelaufen in 36:15 Minuten. Autsch.

  

21. Dezember: 6,09 Kilometer gelaufen in 36:30 Minuten. Das zwölfte Mal gelaufen. Ein Ziel wäre damit erreicht.

22. Dezember: 30,00 Kilometer gefahren in 53:11 Minuten.

23. Dezember: 16,79 Kilometer gefahren in 30:00 Minuten. Einmal noch laufen und es ist vollbracht…

 

24. Dezember: 4,14 Kilometer gelaufen in 24:30 Minuten. Geschafft.

Frohe Weihnachten.

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“Der Patriotismus des Deutschen hingegen besteht darin, dass sein Herz enger wird, dass es sich zusammenzieht wie Leder in der Kälte, dass er das Fremdländische hasst, dass er nicht mehr Weltbürger, nicht mehr Europäer, sondern nur ein enger Deutscher sein will.”

Aus Die Romantische Schule.

(Wobei das natürlich nur ein Teil der Wahrheit ist. Es gibt auch die anderen Deutschen.)

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Laufen gewesen: Lohmarer Wald

Das ist meine Lieblingslaufstrecke bei uns in der Nähe. ich kann so viel rumlaufen, wie ich will kann, ohne den selben Weg mehrmals laufen zu müssen. Und ich kann, wenn ich will, jede Menge teils ziemlich fiese Steigungen einbauen. Das einzige Problem ist: Wenn ich nicht gerade nur bergauf laufen will bis nach Hause, muss ich mit dem Auto hinfahren.

Dieses Mal bin ich einen großen Kreis gelaufen, ich könnte jedoch genauso gut eine Acht oder ein W und wahrscheinlich auch das haus vom Nikolaus laufen. Letzteres probiere ich dann beim nächsten Mal.

Frische Landluft inklusive.

Die Zwölf-Apostel-Buche.  Ein Haus am See gibt es auch.

Hier geht es geradeaus zum FriedWald Lohmar, das letzte Stück meiner diesmaligen Laufstrecke und eine, wie ich finde, sehr schöne Alternative zu den herkömmlichen Friedhöfen.

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Flüchtlinge in Deutschland: Früher und heute

Mein Vater wurde 1944 in Danzig geboren, also nicht unbedingt am hoffnungsvollsten Ort zur hoffnungsvollsten Zeit. Meine Großmutter musste aus Danzig fliehen, als mein Vater nicht mal ein Jahr alt war und hatte neben ihm noch zwei seiner Geschwister dabei, die auch nicht viel älter waren.

Sie hat nicht viel von den Erlebnissen dieser Flucht erzählt, die sie über die Schweiz bis ins Ruhrgebiet führte. Das Wenige, was ich zu hören bekam von den schrecklichen Erlebnissen auf dieser Flucht, klang für mich damals als Kind unvorstellbar und ist es heute immer noch. Heute zu einer Zeit, in der wieder Millionen auf der Flucht sind, die wieder ähnliches Leid erfahren haben wie unsere Großmüttergeneration damals vor 70 Jahren (ob nun in Teilen selbstverschuldet, sei dahingestellt und ist nicht mein Thema hier).

Und doch gibt es einen entscheidenden Unterschied. Die Flüchtlinge von damals hatten als Ziele Gebiete, die ähnlich zerstört waren wie die, die sie verlassen mussten. Die Flüchtlinge von heute machen sich auf den Weg in Länder, in denen es den Bewohnern ungleich besser geht. Und da sagen Menschen heute und hier, in einem der größten und reichsten Länder Europas allen Ernstes, dass sie überfordert seien? Dass ihr Land schon voll genug sei? Dass sie niemanden mehr aufnehmen könnten?

Ich habe Geschichte studiert und schon immer ein Interesse daran gehabt, was früher war und warum es war. Und dadurch habe ich einen bestimmten Blick auf das bekommen, was heute ist und warum es ist. Ich glaube, der Blick zurück ist gerade jetzt wichtiger denn je, wo die Erinnerungen an das letzte Jahrhundert immer mehr verblassen. Warum sollte ein heute 20-Jähriger wissen, was früher war? Das ist sicher eine große gesamtgesellschaftliche Aufgabe in unserem reichen und satten Land, in dem es scheinbar nur noch um Verwaltung und Vermehrung des materiellen Wohlstands geht. Und in dem viel zu oft die eigentlich wichtigen Dinge vergessen werden.

Die Menschen damals im Nachkriegsdeutschland haben im wahren Sinne des Wortes mit den Flüchtlingen gelitten, weil sie selber leiden mussten. Den Menschen im heutigen Deutschland, die gegen Vertriebene, “Asylbetrüger” oder Ausländer allgemein auf die Straße gehen, die Heime angreifen und Menschen erniedrigen, haben nicht ansatzweise ähnliches Leid erfahren. Und ich wünsche ihnen sicher nicht ähnliche Erfahrungen wie ihren Vorfahren vor 70 Jahren. Doch ich wünsche mir eines von ihnen und von uns allen: Mitleid.

Mitleid mit denen, die hierhin kommen, nicht weil sie ihre Heimat verlassen wollten, sondern weil sie es mussten.

Nicht zuletzt wegen unserer eigenen Geschichte.

Wer etwas tun möchte, kann bei dieser großartigen Initiative mitmachen, bloggen und spenden. Oder einfach bei der Flüchtlingsinitiative vor Ort nachfragen, was gebraucht wird.