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Alte Medien Galore: Radio hören

Was ich noch nie verstanden habe, sind Menschen, meist die sogenannten Internet- oder Social Media-Gurus, die sich darüber beschweren, wenn vor allem die öffentlich-rechtlichen Medien zu boulevardesk oder einfach nur belanglos daherkommen und damit ihren Informationsautrag vernachlässigen. Interessanterweise sind dies oftmals die gleichen Menschen, die andere dafür verurteilen, wenn sie die Gespräche in Social Media als belangloses Geschwätz abtun. Und natürlich haben beide recht und unrecht.

Abgesehen von der Tatsache, dass es in der Bevölkerung auch Teile gibt, die durchaus über den Boulevard informiert werden wollen, oder einfach nur einen Zeitvertreib darin sehen und dafür auch gerne die Rundfunkgebühren bezahlen. Wäre es nicht sinnvoller, sich bei seinem Medienkonsum auf das zu konzentrieren, was man gerne hat, anstatt Müll zu sehen, lesen oder hören und sich darüber dann auch noch zu beschweren?

Apropos Hören: Ich liebe das Radio. Und warum? Hier eine kleine Auswahl aus dem Programm eines ganz normalen Freitags beim Radiosender WDR 5:

ZeitZeichen

Stichtag heute 25. Oktober 1838 – Geburtstag des Komponisten Georges Bizet

Neugier Genügt

Feature – El Alto :Menschen gestalten ihre Stadt
Die Stadt El Alto ist jung: Vor vierzig Jahren entstand sie aus einigen zusammengezimmerten Holzhütten. Doch sie wuchs schnell, und vielen gilt sie heute als heimliche Hauptstadt des bolivianischen Hochlands.

Thema NRW

Deutsche Riesen und Aachener Bandkröpfer – Von der Liebe zu Kleintierzucht und Gemüseanbau

Scala
Erster “Asterix” ohne Zeichner Uderzo: Die spinnen, die Pikten!
Am 24.10. erscheint “Asterix bei den Pikten” – der erste Band der Serie ohne den Miterfinder und Zeichner Albert Uderzo.

Leonardo
Küchenexperimente – Gefährlicher Strohhalm: Ein dünner Halm durchbohrt eine rohe Kartoffel. Einen dünnen Strohhalm durch eine rohe Kartoffel stoßen? Unmöglich! Es sei denn man probiert es mit dem nötigen Schwung.

Das philosophische Radio mit Klaus Heinrich
Über Psychoanalyse und Religion: Anfangen mit Freud heißt eine kleine Schrift des Religionsphilosophen Heinrich. Von den Gedanken des Psychoanalytikers Sigmund Freud aus gesehen, versteht Heinrich Religionen als Selbstverständigungsunternehmungen.


Ob mich das alles interessiert? Vielleicht nicht. Vielleicht aber doch. Sender wie WDR 5 sind so vielfältig, dass ich mich mit meinen genauso vielfältigen Interessen meistens wunderbar informiert und auch unterhalten fühle. Und gerade das Überraschende ist es, was mich dabei reizt. Denn oftmals weiß ich nicht, was mich interessiert und oft sind es gerade die Themen, die ich beim Surfen im Internet überspringen würde, die sich dann eben doch als hörenswert und wissenswert für mich herausstellen. Kritiker von TV und Radio sagen, dass dieser passive Medienkonsum nicht mehr in unsere digitale, selbstbestimmte Zeit passt, in der es möglich ist, alles, was man hören, lesen oder sehen will, immer zur Verfügung zu haben. Und ich bin weit davon entfernt zu sagen, dass früher alles besser war. Ich liebe das Internet und etwa die Möglichkeiten, Radiosendungen zu hören, wann ich will, und mich dabei auch noch mit anderen auszutauschen oder darüber auf Internetseiten wie dieser hier zu schreiben. Aber was, wenn ich nicht immer weiß, was ich will?

Denn genauso sehr, mag ich es, mich überraschen zu lassen von dem, was ich noch nicht kenne und was vielleicht noch viel interessanter ist als das, was ich kenne. Und deswegen mag ich das Radio und vor allem Sender wie WDR 5. und dafür zahle ich sehr gerne und nehme es auch in Kauf, dass gleichzeitig viel Trash produziert wird.

Ich muss es ja nicht hören.

4 Kommentare

  1. Ergänzung zur Auswahl des WDR5-Programms von heute: Im Tagesgespräch zwischen ZeitZeichen und Neugier genügt ging es (natürlich) um das relevante Thema Abhörskandal. Gast: Bosbach. Moderator: Ralf Koch, souverän, ruhig, sympathisch. Anrufer: (zurecht) empört angesichts der erst jetzt erfolgten Empörung der Bundesregierung.
    Ich mag Radio und insbesondere WDR5 auch sehr gerne – nicht nur weil ich u.a. für diesen Sender arbeite. Auch das Deutschlandradio und einige weitere meist öffentlich-rechtliche sind hervorzuheben. In der Mediendiskussion (“Online yeah”, “wie lässt sich Print retten”) geht dieses “uralte”, doch recht konstante, relevante und unterhaltsame Medium oftmals unter.

  2. Oh ja, es gibt noch ganz viele weitere Radioprogramme, die großartig sind. Als ich noch in München wohnte, habe ich gerne Bayern 2 oder B5 Aktuell gehört. Oder die Doppelkopf-Interviews bei HR 2 sind auch sehr zu empfehlen.

  3. Und auch in Bayern hört man WDR: Ich lade mir immer die Mittwochs-Ausgabe von Scala als Podcast runter und wische großzügig bis ca. 10 Minuten vor Schluss. Da kommen dann die besten Kinokritiken wo gibt …

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