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Gelesen: Unknown Pleasures, Peter Hook

 

Peter Hook-Unknown PleasuresMit ungefähr 16 Jahren habe ich Joy Division entdeckt und wir haben vor allem das Album Still auf Platte rauf und runter gehört. Damals war es vor allem die Musik, die mich faszinierte. Natürlich, denn von den Texten habe ich nur wenig verstanden…dance to the radio, love will tear us apart, loose the feeling und so weiter. Die Musik allerdings habe ich direkt verstanden. Laut, wütend, schräg, düster. Wie man halt so ist mit 16 bzw. wie man halt so sein will.

Über die Band selber wusste ich bis vor vier Monaten kaum etwas. Das Übliche eben: Der Sänger Ian Curtis litt an Epilepsie und hat sich umgebracht, kurz bevor die Band so richtig durchstarten konnte. Nach dem Tod von Curtis benannten sie sich um in New Order. Joy Division und vor allem ihr Sänger hatten eine seltsam romantische Nähe zum Nationalsozialismus. Und Joy Division hat eine ganze Masse an Bands nach ihnen geprägt.

Das war’s. Mehr wusste ich nicht über sie.

Gehört habe ich Joy Division nach dieser Zeit zwischen 16 und 20 Jahren immer wieder und immer wenn ein neues Buch oder ein Film erschien, hatte ich mir vorgenommen, mehr über sie zu erfahren, habe es aber bis zu diesem Jahr nicht getan. Bis Peter Hook, der Bassist von Joy Division und später von New Order, dieses Buch veröffentlichte und ich einige Rezensionen gelesen habe. Ich habe mir das Buch gekauft und innerhalb von einer Woche gelesen.

Das Buch ist wirklich äußerst lesenswert, wenn man sich für die Band interessiert und dafür, wie es ist, in den Sechzigern und Siebzigern in England aufzuwachsen und wie sich dann in den Siebzigern in der Punk-Ära rund um die Sex Pistols die Musikszene entwickelt hat. Und das Buch ist vor allem sehr witzig. Schon beim Prolog, in dem Hook das erste Konzert von Joy Division beschreibt, habe ich einige Male laut gelacht.

Man kann davon ausgehen, dass Hook das Buch wirklich selbst geschrieben hat, es ist genauso kantig und rau geschrieben, wie wohl das Leben mit Joy Division gewesen sein muss. Insofern passt der Schreibstil sehr gut und ich konnte mich sehr gut hineinfühlen in diese Welt. Man erfährt wirklich sehr viel über das Leben und Wirken der Band, zumindest so wie Peter Hook sich erinnert und ich habe große Lust bekommen, die Musik wieder zu hören. Vor allem während der beiden Kapitel, in denen Hook die Alben Unknown Pleasures und Closer Song für Song vorstellt, sollte man wirklich dem Rat des Autors folgen und die Musik währenddessen hören.

Neben den Klischees, die ich bereits kannte, weiß ich nun sehr viel mehr über die Band und ich weiß vor allem, wie es ist, in einer Band in den Siebzigern zu spielen. Das hat wohl wenig Ähnlichkeit mit heute, zumindest ist Peter Hook dieser Überzeugung. Und ich kann verstehen, wie er immer wieder in den „Früher war es besser oder zumindest echter, aber auf jeden Fall anders“-Modus schaltete. Und während des Lesens bekam ich eine Ahnung davon, dass Hook eventuell sogar Recht damit hat.

Ich wusste wie gesagt auch vor dem Buch, dass Joy Division während ihres Bestehens nicht wirklich richtig groß waren, dass alles noch so improvisiert und klein war, war mir nicht klar. Dass die Band zum Beispiel noch bis zum Ende ihre Ausrüstung selber durch die Gegend schleppen und aufbauen mussten und dass Joy Division diesen ganzen Rockmusik-Glamour nur dann erlebte, wenn sie als Vorband für Gruppen dabei waren, deren Namen ich zumindest noch nie gehört habe. Kritiker und eine kleine Fangemeinde haben zwar schon damals die Bedeutung von Joy Division erahnt, ahnten jedoch wohl nicht wirklich, dass heute noch Bands sie als großen Einfluss bezeichnen.

Und das mit den Nazis? Ich lasse Peter Hook antworten: „Nein, wir sind keine Scheiß-Nazis. Wir sind aus Salford.“

Wäre das also auch geklärt.

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